Botswana V: Das Auto und das Floß, „Your Adventure Starts Here“ – an Italian Story, Camp-Crasher und die Zebra-Invasion

Am nächsten Morgen haben wir uns auf den Weg nach Makgadikgadi gemacht. Hierzu mussten wir erstmal unsere liebgewonnene Kalahari über das Matswere Gate verlassen. Dort angekommen, haben wir erstmal ausgecheckt und wollten noch Frühstücken, bevor wir nach Rakops weiterfahren. Am Gate wurden wir dann von einer jungen Dame angesprochen, ob sie mit uns bis Rakops fahren könnte, da sie dringend nach Hause müsste. Wir haben sie mitgenommen, da wir sowieso nach Rakops wollten, um dort unsere Vorräte aufzufüllen und zu tanken. Kurz vor Rakops haben wir sie auf Wunsch rausgelassen und waren erstmal etwas schockiert… Sie erzählte während der Fahrt, dass sie in der Kalahari in einer Lodge arbeitet und jetzt dringend zu einer Beerdigung nach Hause müsste. Von Rakops aus sind das noch gute 100 km. Ihr Bruder kam bei einem Flugzeugunglück ums Leben… Sie war froh, dass sie schon so bald aus dem Nationalpark mit rausfahren konnte. Immerhin ist der Weg zur Hauptstraße knapp 30km lang gewesen und tiefsandig. Zuerst war es für uns natürlich erstmal etwas seltsam jemand Fremden mitzunehmen. Allerdings waren wir ja zu viert und haben es uns deshalb auch getraut. Nach dieser Geschichte waren wir dann aber doch froh, es auch gemacht zu haben, da sie jetzt doch recht schnell zu ihrer Familie fahren konnte.
Wir fuhren noch die letzten Kilometer bis Rakops und haben natürlich erstmal die Tankstelle angesteuert. Gut. Schlussendlich hatten wir auch keine andere Wahl, nachdem Jenny´s und Flo´s Hilux direkt am Stoppschild keinen Muckerer mehr gemacht hat: Tank leer! Hierzu muss ich aber noch einwerfen, dass unsere Hilux einen Zusatztank angebaut hatten, der natürlich nicht auf der Tankfüllstandsanzeige angezeigt wurde. Und im Gegensatz zum Auto von Andy und mir, wurde bei Jenny und Flo zuerst der reguläre Tank angezeigt und sobald die Tanknadel auf „Empty“ stand, musste man nach Kilometern im Kopf rechnen. An dieser Kreuzung in Rakops, mittags um 12 Uhr direkt vor der Secondry School, die gerade große Pause hatte, blieben wir also mit einem unserer Wagen liegen… und mussten uns selbst erstmal die letzten 800 m bis zur Tankstelle abschleppen. Das war natürlich ein Spektakel für den Rest des Ortes.


Und hier sehen wir den Beweis, dass ein Auto nicht ganz voll betankt war…


Der Tankvorgang hatte etwas länger gedauert – nicht nur, weil wir in jedem Auto 160 L Fassungsvermögen hatten, sondern weil der Tankwart ab 60 L angefangen hat, vorsichtig zu tanken… Er hat schon gestrahlt, als wir in die Tankstelle eingebogen sind, aber war dann doch leicht ungläubig, dass in die Autos soviele Liter passen smiley Anschließend konnten wir dann endlich zum Einkaufen. Allerdings war es nicht ganz einfach, DEN EINEN SUPERMARKT zu finden, von dem wir gehört hatten, dass er recht gut sortiert wäre. Es gab zwar mehrere Supermärkte auf der Hauptstraße, allerdings war der, den wir gesucht haben, wieder vorne an der Schule – in zweiter Reihe.
Nachdem wir unsere Vorräte aufgestockt hatten, ging es dann endlich weiter nach Khumaga, von wo aus wir mit der Ponton-Fähre den Boteti überqueren und nach Makgadikgadi übersetzen wollten. Immerhin war unser Ziel des Tages – das Tree Island Camp – noch in einigen Stunden Entfernung.
An der Fähre angekommen, war erstmal weit und breit kein Fährmann in Sicht. Wir mussten also erstmal warten. Die Herren der Schöpfung haben sich nach einer Fotosession mit Esel und Rind erstmal der Heckklappe vom Bush-Camper zu schaffen gemacht. Leider hat diese aufgrund der Belastungen durch die Wegeverhältnisse ein Eigenleben entwickelt und sich entweder geweigert, sich öffnen zu lassen oder sich zu jeder beliebigen Zeit selbst geöffnet. Zwischenzeitlich kam dann eine weitere Gruppe Game Driver, die zu einer Lodge gehörten. Deren Fahrer hatte sich dann angeschickt, einen Trupp Einheimischer loszuschicken, und den Fährmann aus seiner Mittagspause zu holen. Der kam dann auch, trotzdem mussten die anderen erstmal warten, weil wir vorher da waren smiley
Jeder, der irgendwann mal irgendwie die Gelegenheit hat, mit einem Ponton einen Fluss zu queren, sollte das unbedingt mal machen. Das war richtig spannend!


Am Khumaga Gate angekommen, haben wir erstmal selbst eine kleine Mittagspause eingelegt. Bevor wir uns dann wirklich Richtung Tree Island begeben haben, wollten wir noch kurz den Hippo Pool besuchen. Leider kamen wir dort nicht an. Ein italienisches Pärchen hatte sich auf der halben Strecke dorthin im Tiefsand festgefahren. Die Geschichte in wenigen Worten erzählt, geht ungefähr so:
Auf dem Weg zum Hippo Pool treffen wir also auf ein italienisches Paar, dass sich ganz offensichtlich im Sand festgefahren hat und nun versucht, per Hand sich auszugraben bzw. die Sandmatten unter die Reifen zu bekommen. Nachdem wir schon aus dem offensichtlichsten Grund helfen mussten, dass wir selbst überhaupt weiterkommen, haben wir das selbstverständlich aus dem wichtigsten Grund getan – wir hätten auch gerne Hilfe, wenn wir irgendwo steckenbleiben oder ein anderes Problem besteht.


Ich geb´s ja zu. Wir Damen waren eher die, die Verantwortung getragen haben und die Herren haben das Auto aus dem Sand gehoben. Nachdem Schaufeln leider nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, hat Andy den High Jack angesetzt. Der High Jack ist ein formschöner Off-Road-Wagenheber, der den großen Hebel ansetzt. Damit haben sie dann doch noch die Sandmatten unter das Auto bekommen und konnten es rausfahren.
Nachdem wir alles wieder eingepackt und uns verabschiedet hatten (ich hatte gerade noch Eleonora meine E-Mail-Adresse gegeben, damit wir nach der Reise vielleicht noch das Ende ihrer Reise erfahren), haben wir uns weiter aufgemacht zum Hippo Pool. Leider haben wir aber in der Kürze der Zeit den Weg dorthin nicht wirklich gefunden und mussten dann doch umkehren und uns entgültig auf den Weg zum Tree Island Camp machen. Inzwischen war es 15 Uhr und wir hatten noch mindestens zwei, eher drei Stunden Fahrtzeit dorthin. Und dann trafen wir zwei „alte“ Bekannte wieder…


Diesmal hat ein Tour-Guide die Hauptarbeit mit seinem Kuhfänger am Jeep gemacht. Fabio konnte noch einen kurzen Anruf bei seiner Mietwagenfirma mit dem Satellitentelefon des Guides machen, um das Auto tauschen zu lassen, da es wohl nicht in Ordnung war. Nur konnten wir jetzt die Beiden auch nicht dort stehen lassen, wie ihr sehen könnt, war gerade eine Herde Elefanten ziemlich nah. Also haben wir uns entschieden zu versuchen, die Beiden mit ihrem eigenen Auto bis ans Gate zu bringen, da dort die Campsite war, bei der sie ihren Stellplatz gebucht hatten. Zuvor nur noch ein kurzer Stop am Fluss, um wenigstens ein paar Elefanten zu sehen und dann gings auch schon weiter. Flo fuhr vorne weg, Jenny und ich in der Mitte, Andy mit Fabio und Eleonore hinten. Gegen 17.30 Uhr hatten wir es tatsächlich zum Gate geschafft – nur leider stellte sich dann heraus, dass das Camp von den Beiden außerhalb des Nationalparks in Khumaga auf der anderen Seite des Boteti war. Ursprünglich wollten wir uns bei ihnen auf dem Stellplatz mit unterstellen da wir inzwischen wussten, dass wir es vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr bis in unser Camp schaffen würden. Immerhin geht um 18 Uhr – im wahrsten Sinne des Wortes – das Licht aus. Da wir aber den Nationalpark nicht verlassen konnten, ohne nochmal einen Berechtigungsschein zu kaufen, blieb uns nichts anderes übrig, als doch noch zu versuchen, zum Camp zu kommen. Das führte natürlich auch zu enttäuschten Gesichtern bei Andy und Flo, da es nun kein versprochenens Dankeschön-Bier geben wird.
Aber: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!
Also haben wir uns wieder auf den Weg gemacht. Um kurz nach 18 Uhr sind wir dann aber doch den Rückzug zu einem fremden Camp angetreten, nachdem wir fast mit einer Herde Zebras kollidiert wären. Auf halber Strecke zurück zum Gate lag eine Campsite, die leider nicht zu unserer Organisation gehörte, bei der wir einige Übernachtungen gebucht hatten. Da aber auch das Büro dort schon geschlossen hatte, haben wir die anderen Touristen befragt, ob wir vielleicht noch irgendwo unterkommen können und haben kurz die Geschichte angerissen. Wir hatten Glück, es waren tatsächlich noch Plätze unbesetzt und wir haben uns dann direkt auf dem ersten freien Platz zum Sanitärhaus breit gemacht. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, haben wir aber auch gleich die Gunst der Stunde genutzt und sind erstmal Duschen und Haarewaschen gegangen – in der Kalahari haben wir das große Haarewaschen durch durchbrausen ersetzt. Aber jetzt gab´s ja genügend Wasser. smiley
Am nächsten Morgen haben wir uns so zeitig aus dem Staub gemacht, dass wir dem Sonnenaufgang auf der Düne – vor der wir noch Tags zuvor gewarnt wurden – entgegengefahren sind.


Wir wollten wenigstens in unserem gebuchten Camp frühstücken, wenn wir dort schon nicht nächtigen konnten. Immerhin sollte das eines sein, dass direkt an einer Salzpfanne liegt, über die wir eigentlich auch fahren wollten.
Allerdings empfanden wir die Düne nicht als schlimmer, als die tiefsandigen Pisten, die wir bisher gefahren waren. Aber bei Nacht wollten wir weder im einen noch im anderen versanden.
Nachdem wir von der Düne runter waren, hatten wir erstmal wieder weit und breit nichts als Savanne im Sichtfeld. Ein paar tolle Spuren fanden wir im Sand…


… wenngleich aber nicht die dazugehörigen Besitzer. Dafür standen wir plötzlich inmitten von tausenden von Zebras. Zebras so weit das Auge reichte. Wir hatten Glück! Wir kamen pünktlich zur Immigration der Zebras.


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