Botswana XIII: Ein Platz am Fluss, Türen und Fenster geschlossen halten und „Hey, das ist mein Müslikeks!!!“

Heute heißt es: Auf in die Chobe Region!

Wir frühstücken zeitig und sind bereits kurz nach 7 wieder auf der Piste.


Unser Weg nach Muchenje führt uns erstmal in die Savuti-Region, direkt durch die Mababe Depression.


Hier durchqueren wir anstelle von Herden diverser ortsansässiger Vierbeiner, ganze „Vogelwände“. Zuerst sieht man sie kaum am Boden sitzen, sobald man sich aber nähert, schwärmen hunderte von Vögeln aus und flattern aufgeregt vor uns weg und hinter uns wieder zusammen. So vieles Federtier hab ich vorher auch noch nicht auf einem Haufen gesehen – nichtmal, wenn unsere Zugvögel gen Afrika aufbrechen. Aber nicht nur die sind so zahlreich unterwegs. Auch Schmetterlinge! Diese sitzen in Scharen auf der Piste und stoben genauso gen Himmel, wenn man selbst schon befürchtet, den Schwarm gerade eben zu überfahren.

Allerdings war´s das dann auch schon so ziemlich mit unseren Sichtungen. Wir fahren den ganzen Vormittag und sehen nur hier und da ein paar Zebras, Enten und Antilopen. Wir hoffen, zum Mittagessen in Savuti am Wasserloch etwas mehr geboten zu bekommen, aber weit gefehlt. Im Wasserloch hat man zwar eine Hippo-Schnauze erkannt, ein einzelner Elefant ist an uns vorbeigestapft und… ja, das war´s.


Nachdem wir unseren Nudelsalat gegessen und einige Fotos geschossen haben (s. Beispiel-Foto mit mir), machen wir uns dann doch wieder auf den Weg zu unserem Camp nach Muchenje. Dort kommen wir auch recht pünktlich gegen 17 Uhr an. Das Camp und die Cottages liegen sehr schön am Fluss – einem kleinen Ausläufer des Chobe. Unser Stellplatz ist für unsere zwei großen Kübel zwar etwas knapp, aber mit ein wenig Planung und Einweisung konnten wir unser Nachtlager aufschlagen.
Bevor wir Abendessen (Heute gibt´s Pfannkuchen mit Calvados-Äpfeln – suuuuper lecker!), erkunden wir noch etwas das Gelände. Wunderschön liegen die Campsites und Cottages zwischen blühenden Sträuchern, Blumen und sogar einem Kräutergarten. An der Rezeption gibt es Sitzmöglichkeiten und WLAN – ihr ahnt es, wir werden nach dem Essen dort noch eine Weile verbringen und Zuhause Bericht erstatten: Uns geht es super, keine Verluste zu vermelden!
Die Badehäuschen suchen wir ebenfalls auf: Jedes Häuschen ist ein Badezimmer für sich, mit Dusche, WC und Waschbecken. Vor den Türen gibt es auch Außenwaschbecken, wo man auch mal schnell ein paar Kleidungsstücke durchwaschen könnte. Auf jedem Stellplatz selbst gibt es Spül- und Arbeitsplätze mit fließendem Wasser … und Meerkatzen… Direkt bei unserer Ankunft habe ich immer wieder betont, dass alle Türen und Klappen verschlossen sein müssen, damit wir nicht beklaut werden!
Zum Ausklang des Tages haben die Jungs noch Qwirkle gespielt. Jenny und ich haben drauf verzichtet, wir hatten vor unserer Reise bereits sämtliche Spiele verloren smiley.

Am nächsten Morgen waren wir wieder früh auf den Beinen, da wir um 7 Uhr in den Chobe-Nationalpark fahren wollten. Dennoch, haben wir gemütlich gefrühstückt und Flo und Jenny hätten fast einen Teil ihrer Vorräte aus dem Auto verloren… Noch bevor wir aufstanden, hörten wir schon die Äffchen über unseren Köpfen von Ast zu Ast springen. Flo hatte aber nach dem Wasserkochen für Tee und Kaffee vergessen, die Heckklappe zu schließen und ZACK… hat so ein freches Tier den Augenblick genutzt und hat sich im Auto umgesehen. Aus dem Augenwinkel hab ich die Schwanzspitze noch im Heck verschwinden sehen. Wir sind vielleicht aufgesprungen! Die Meerkatze hat den Trubel natürlich sofort mitbekommen und ist stiften gegangen – ohne etwas moppsen zu können. Trotzdem, genug Zeit zum Durchwühlen der Regale war allemal.

Aber zurück zu unserer Tagestour in den Chobe. Wir waren so zeitig dran, dass wir sogar die ersten Privatleute waren, die an diesem Tag das Ngoma Gate passierten.

Die ersten Kilometer führen durch einen Wald, der wie ein exotischer Dschungel wirkt. Der Weg ist sandig und unsere ersten Tiersichtungen waren beispielsweise Hornraben (ziemlich merkwürdiger Anblick – sucht mal nach Bildern im Internet).
Nach ca. zwei bis drei Kilometer geht die Strecke ziemlich steil bergab und wird ziemlich steinig und teilweise auch etwas rutschig. Auf der Suche nach dem Hauptweg, folgten wir mancher Abzweigung, nur um kurze Zeit später festzustellen, dass der Weg uns direkt IN DEN Chobe hineinführt. Also sind wir bestimmt drei bis vier Mal wieder auf der Stelle umgedreht.

Zurück auf dem Hauptweg kamen wir nicht allzuweit, als uns dann doch bereits das erste gebuchte Safari-Fahrzeug entgegen kam und und uns von der ersten Löwen-Sichtung nur ein paar Kilometer weiter berichtet. Die Sichtung war auch definitiv nicht zu übersehen – es standen bereits sechs bis acht andere Fahrzeuge im Pulk und verstopften erstmal komplett die Piste. Wir tasteten uns langsam vorwärts, bis sich ein Löwe mit seinen vier Löwinnen – die etwas abseits im Schatten von Sträuchern lagen – in unser Blickfeld schoben.

Löwe Chobe Botswana Vier Löwinnen im Schatten eines Busches

Nach einer Weile fuhren wir langsam weiter und fanden kurz darauf drei weitere Löwinnen, die im Schatten niedriger Bäume vor sich hin dösten. Auch hier halten wir für ein kurzes Foto-Shooting mit den Damen (NEIN, wir sind nicht ausgestiegen!!), bevor wir eine Pipi-Pause am Serondola Picknick Point einlegen.

Drei Löwinnen dösen im Schatten

Dort gibt es ein festes Sanitärhaus und einige Tische und Bänke. Allerdings – kaum haben wir unsere Autos verlassen und steuern das Toilettenhaus an – wurden wir direkt von recht dreisten Äffchen belagert! Man merkte hier sofort, dass diese kleinen Kerlchen offenbar recht regelmäßig von unbelehrbaren Touristen gefüttert werden. Sie zeigten praktisch keine Scheu und nur durch Drohgebärden und Fauchen ließen sie sich etwas zurückdrängen. Aus diesen Gründen haben wir auf eine ausgedehnte Pause an diesem Ort verzichtet und haben uns recht zügig wieder in die Autos begeben – die Pause verschieben wir auf später.

Grüne Meerkatze am Auto Serondola Picknick Point

grüne Meerkatze auf dem Auto

Auf zum River Loop!

Inzwischen werden die Autos im Park immer mehr, dafür zeigen sich aber inzwischen auch die Elefanten. Wir beobachten einige, die gerade dabei sind, den Chobe-River zu queren. Unglaublich, wie man bei manchen praktisch nur noch den Rüssel aus dem Wasser ragen sieht, wenn man weiß, wie groß diese Tiere eigentlich wirklich sind. Auch direkt am „Straßenrand“ stehen ganze Herden; alle Altersklassen sind dabei – die „Pupertiere“ unter den Elefanten haben auch nur Blödsinn im Kopf und stänkern sich gegenseitig an. Als es zu doll wird, schreitet eine der Kühe ein und weist den übermütigen Nachwuchs in die Schranken. Ein recht junges Kalb versucht mit seinem Rüssel, einen riesigen Stein zu bewegen – es macht richtig Spaß, den Tieren dabei zuzusehen! Es ist auch richtig spannend zu beobachten, wie ähnlich das Verhalten im Familienverbund dann doch zu uns Menschen ist – oder umgekehrt?!…

Elefanten Wegesrand Chobe Elefanten neben Auto Wegesrand Chobe Elefantenfamilie unterm Baum Chobe

Elefantenbabys beim Spielen Chobe

Dazwischen legen wir dann doch noch unsere kleine Mittagspause an einem Stretch-Pont ein in der Nähe der Chobe Lodge ein. Wir haben noch Crepes vom Abend davor, diesmal herzhaft mir Schinken und Käse belegt – echt lecker und ganz ohne Äffchen!

Nach dem Essen geht´s weiter; wir brauchen allerdings eine Weile, bis wir zur Hauptstrecke zurückkommen, da einige Elefanten selbst noch „zu Tisch“ waren und wir entsprechend unaufgeregt an ihnen vorbeifahren, um sie nicht zu erschrecken.

Kaum zurück auf der Mainroute, sehen wir auch schon eine Ansammlung diverser Game-Driver. Zuerst haben wir nur vermuten können, dass man eine Wildkatze gesichtet hat, bis wir sie dann selbst gesehen haben: Eine Löwin – in Deckung unter einem Busch. Wir halten, warten und beobachten… mindestens genauso angestrengt, wie die Löwin. Bis sie plötzlich aufsteht und sich an etwas heranschleichen will! Sie springt auf, duckt sich… pirscht sich langsam und leise über die Straße, an uns vorbei an… wir haben einen fantastischen Blick… bis plötzlich hinter uns ein Auto mit einer Gruppe junger Männer an uns vorbeidrängen will… die Löwin zuckt kurz, macht dann einen Satz auf ihre Beute zu… rennt los … und der Impalabock entwischt. Aufgeschreckt durch die Drängler hat das Impala das Weite gesucht, bevor die Huntress zuschlagen konnte… Die Jägerin blieb enttäuscht zurück, wir ebenso – mit einer ziemlichen Wut auf diese Gruppe. (Das war im übrigen auch das, was uns sehr häufig aufgefallen ist: Die Provokation durch die Menschen. Mich wundern Berichte über Wildtierangriffe gegenüber Menschen übehaupt nicht. Niemand kann es leiden, wenn jemand ungefragt in seine Wohlfühlzone eindringt – wieso glauben es aber viele, dass es bei Tieren okay ist?!)

The Huntress - Die Jägerin

Wie dem auch sei… wenn sie auch erfolglos blieb, war es ein unglaubliches Erlebnis, bei dieser Jagd dabei sein zu können! (Bei meiner Südafrika-Rundreise 2015 hatte ich bereits das Glück, zwei Geparden bei der gemeinsamen Jagd beobachten zu dürfen – diese blieb zwar auch erfolglos, dennoch war es der Wahnsinn, diese Tiere beobachten zu können! Aber das ist eine andere Geschichte…)

Nach diesem Spektakel fuhren wir erst einmal weiter. Wir hörten immer Mal wieder Löwen brüllen, direkt gefunden haben wir sie aber erstmal nicht. Dafür hat Jenny eine Antilopenart im Gebüsch entdeckt, die man nur sehr selten überhaupt zu Gesicht bekommt: Pukus! Und gleich zwei! Alle anderen Privat-Touristen sind da völlig desinteressiert daran vorbeigefahren. Vermutlich dachten diese auch, dass es halt einfach ein paar Antilopen sind, die man überall zu sehen bekommt. Zugegebenermaßen haben wir sie nur deshalb identifizieren können, weil Jenny kurz vorher noch in einem der Reiseführer davon gelesen hat; auch, das diese Art vornehmlich in der Zambesi- und Chobe-Region vorkommt. Dennoch: wer Wenig erwartet und für Vieles aufgeschlossen ist, wird am Meisten erleben! Und das kann ich auch genau so unterschreiben.

Wir fahren noch eine Weile, beobachten Warzenschweine, sehen ein Krokodil am Wasserrand und einige Antilopen, bevor wir uns langsam auf den Rückweg begeben.

Krokodil Chobe Wo ist das Impala? Chobe Warzenschweine Chobe

Unterwegs treffen wir erneut auf ein Rudel Löwen – äh, naja, zuerst sahen wir nur die 14 Autos, die überall im großen Knäuel standen und uns den Weg versperrten. Irgendwo hinter den Autos lagen in etwa 5 Löwen, die wir aber von unserer Position aus nur ahnungsweise erspähen konnten, weshalb wir darauf verzichtet haben, dort zu verweilen. Zudem hatten wir ja auch noch ein paar Kilometer Fahrt bis zum Gate.

Nachdem wir auf eine Horde Mangusten trafen, die von irgendetwas aufgeschreckt wurden und Fersengeld gaben (NEIN, nicht wir!), entschieden Flo und Jenny nochmal zu den Löwen zurück zu fahren. Andy und ich war es zu unsicher um die Zeit, rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit den Park zu verlassen, deshalb fuhren wir erstmal alleine weiter zum Gate.

Es ist wirklich unglaublich, wie schnell sich aber dennoch das Bild ändern kann, obwohl man den ganzen Tag sich im gleichen Gebiet aufgehalten hat. Was kam uns tagsüber nicht vor die Linse? Richtig – Wasserbüffel. Dafür hatten wir diese jetzt aber in Massen. Mehrere Hunderte…wir konnten es nicht wirklich erfassen, jedenfalls so weit das Auge eben reichte. Und wir mussten mittendurch. Das war wieder ein leicht komisches Gefühl, da man ständig beobachtet wurde und wir auch sehr darauf achteten, möglichst unbedrohlich zu wirken, während diese Tiere in allen Altersklassen um einen herum liefen wie Schafsherden.

Wasserbüffel in der Abenddämmerung Chobe Giraffen in der Abenddämmerung beim Trinken im Chobe-River

Paviane Chobe

Sonnenuntergang am Chobe-River

Giraffen konnten wir noch beim Trinken im Chobe beobachten, Paviane versperrten uns den Weg und dann ging auch schon die Sonne unter. Andy und ich verließen den Park und dann warteten wir auf Jenny und Flo.

Bis die Beiden kurz vor Torschließung tatsächlich auch noch aus dem Park kamen, kann ich noch kurz erwähnen, dass wir des morgens bereits eine erfolglose Jagd beobachtet hatten: Ein Schakal versuchte verzweifelt ein Eichhörnchen zu erwischen – dieses war aber etwas schneller und damit rechtzeitig auf dem Baum verschwunden, bevor es zum Frühstück des Schakals wurde. Dieser zog dann etwas betrübt von Dannen.

Jenny und Flo hatten unterdessen tatsächlich Glück und konnten nochmal einen Blick auf die Löwen, die wir am Ende fanden, erhaschen. Sogar Jungtiere waren dabei!

In den letzten Sonnenstrahlen – bevor die Sonne entgültig hinter dem Horizont verschwunden war – fuhren wir zurück zu unserem Campingplatz.

Dort gab´s ein paar einfache, aber leckere Nudeln mit Tomatensoße. Die Jungs spielten wieder Qwirkle, Jenny und ich leisteten mentale Unterstützung.

Am nächsten Morgen bin ich die erste, die aus dem Zelt gekrabbelt ist und mache erstmal Wasser heiß für Tee und Kaffee und bereite mein Müsli vor. Bereits vor dem Aufwachen hörte ich die Meerkatzen über mir in den Baumkronen hin- und herspringen auf der Suche nach etwas Essbaren. Ich beobachte also die neugierigen Äffchen, lege zwei Müslikekse, etwas Trockenobst und Nüsse in meine Schüssel, dreh mich um um nach der Milchtüte zu greifen – als ich hinter mir schön höre, dass jemand in der Sekunde auf den Tisch gehoppst ist. Kaum dreh ich mich zurück, entdecke ich, wie eines dieser frechen Biester einen meiner Müslikekse aus der Schüssel klaut! So schnell, wie die der Lianenschwinger da war, war er auch wieder weg und auf in Richtung Nachbarcamp.

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