Erinnerungen

Nach einem Abschiedsfeuerwerk für mich (*hust* smiley) und einer letzten Bootsfahrt über die Newa, musste ich mich leider auf den Rückweg begeben. Überpünktlich kam auch mein Fahrer im Hotel an und ich musste mich schon echt schwer beherrschen, nicht in fürchterliche Tränen auszubrechen. Ich hasse Abschiede, wenn etwas schönes endet! Vermutlich treibt es mich deshalb immer weiter vorwärts, damit ich das Ende nicht länger als notwendig sehen muss?! Aber eigentlich ist es auch immer die Neugier und die geistige Umstellung auf etwas Neues, nicht alltägliches. Um immer wieder sein Bewusstsein für sich und seine Umwelt aufzuwecken und nicht festzufahren in alten Gewohnheiten, die vielleicht nicht für die Dauer gut sind – oder doch Dinge beizubehalten, von denen man merkt, dass sie einem Halt und Stabilität im Leben geben. Offenbleiben für Veränderungen und um zu lernen, den Blick auf die wesentlichen Dinge zu richten.

Zu guter Letzt noch ein paar schnöde Fakten:

Es war wieder eine sehr gute Idee im Hotel nur Frühstück zu buchen. Man sieht einfach soviel mehr und lernt viel mehr über die Orte und deren Bewohner, wenn man sich noch was leckeres zum Abendessen suchen muss. Und weiß Gott, während dieser Tage habe ich immer nur die leckersten Gerichte gefunden! Abgesehen davon war es preislich am Ende auch unschlagbar, da ich weder auf die leckerste Schokolade, den frischesten Fisch, den aromatischsten Tee und Wein, die sündigsten Pralinen oder die abgefahrensten Kombinationen verzichten musste… und trotzdem WEIT UNTER meinem eingeplanten Budget geblieben bin.

Nach Russland ging ich mit sehr gemischten Gefühlen und sehr vielen gruseligen Geschichten im Hinterkopf. Aber – bis auf die Kontrollen an der Grenze oder am Flughafen – sind eigentlich alle ins Positive gewandelt. Die Grenz-/Passkontrollen sind nunmal gewöhnungsbedürftig, da man diese schlichtweg möglichst emotionslos hinter sich bringen sollte.

In allen Ländern, durch die mich meine Reise führte, gilt der Zebrastreifen 1000%: Sobald man sich zum Queren der Straße bereit macht, HALTEN DIE AUTOS DAVOR AN!!! Hier gibt niemand einfach nochmal extra Gas, damit man noch vor dem lahmen Fußgänger drüber kommt. Selbst in Russland, wo der Straßenverkehr für den auswärtigen Betrachter eher rücksichtslos scheint – was er keinesfalls ist. Man muss eben die Regeln kennen.

In Litauen gibt es an jeder Straßenecke neue Kinderspielplätze, die auch alle sehr rege von der angestrebten Zielgruppe besucht sind. Und niemand scheint sich daran zu stören?! Unglaublich, wenn man bedenkt, wie man hier Zulande inzwischen damit umgeht…
Ich habe selten so wenige überdrehte Kinder gesehen, wie dort.

Die öffentlichen Toiletten waren in den drei baltischen Staaten die saubersten und gepflegtesten Toiletten, die ich bisher in Sachen „öffentliche Toiletten“ gesehen habe. Nicht´s ist verschmiert oder zerstört. Offenbar wissen die hiesigen Einwohner dieses Angebot mehr sehr zu schätzen. Allerdings muss man auch wissen, dass man sehr häufig das Toilettenpapier nach Benutzung in einen dafür vorgesehenen Mülleimer entsorgt und NICHT IN DIE SCHÜSSEL! Interessanterweise stinken die öffentlichen Toiletten trotzdem oft dort deutlich weniger, als Hierzulande. Manchmal muss man einen kleinen Obulus bis 30ct bezahlen, sehr häufig ist die Benutzung aber kostenfrei. Und das Reinigungspersonal macht einen wirklich guten Job.

Ganz allgemein wird auch Kunst und Kultur sehr gefördert und ich habe selten so interessierte Kinder und Jugendliche in Ballett-/Operettenaufführungen oder im Museum gesehen. Auch ich habe mich wirklich bei den Angeboten und Programmen sehr angesprochen gefühlt und bin sogar über zwei Stunden durch Kunstinstallationen gewandelt, ohne zu merken, dass die Zeit regelrecht verflogen ist.

In Riga, Tallin und Helsinki gibt es – wie auch in Island – Buch-Cafés. Eine ganz großartige Sache! Wir haben hier zwar Buchläden mit Bistros und Cafés, allerdings darf man hier keineswegs die (noch) nicht erworbenen / für den Moment geliehenen Bücher mit an den Kaffeetisch zum Kuchen dazunehmen. Ganz anders in den Buch-Cafés. Entweder, es ein Buchladen mit integrierter Pâtisserie und Kaffee/Tee oder es ist ein Café mit einer Art „Leihbücherei“. Man sucht sich einen Titel seiner Wahl aus und genießt ihn mit einer Leckerei und einem wärmenden Schlückchen.

Was teilweise für mich ursprünglich nur ein weißer Fleck auf der Landkarte war, ist jetzt eine ganz wunderbare Flut an neuen Eindrücken und Empfindungen. Wenn Litauen und Lettland noch einen Hauch von Russisch mit sich tragen, ist man in Estland eigentlich so gut wie in Skandinavien. Die Sprache klingt auch schon dem Finnischen ähnlich – auch wenn die Finnen behaupten, sie verstünden die Esten nicht. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich durchaus mit meinen vähän suomea-Bröckchen das eine oder andere lesen und mich auch verständlich machen konnte in Estland smiley

Mal sehen, wohin mich die nächste Reise trägt… Ein paar vage Planungen gibt es bereits – lasst Euch überraschen, welches tatsächlich mein nächstes Ziel ist!

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